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Grenzgang Biedenkopf

16.-19. August 2012

Das einzigartige Heimatfest, bei dem alle sieben Jahre an drei Tagen die Grenze des Biedenkopfer Stadtwaldes von Bürgern und Gästen abgelaufen wird in einem Zug, der von traditionellen Gestalten angeführt und begleitet wird

Traditionsbewußtsein, Freude am Feiern und Fröhlichsein, Liebe zur Heimat und zum Wald sind an den drei Tagen aus allem zu spüren, was sich in Biedenkopf abspielt. Der Brauch, den man alle sieben Jahre wieder aufleben läßt hat seinen Ursprung in den Grenzbegehungen im Mittelalter, als noch keine Kataster und Steine die Grenze markierten.

1693 wird zum ersten Male über eine Grenzbegehung in Biedenkopf berichtet. Auf ihren stattlichen Waldbesitz waren die Biedenkopfer von je her stolz und die Nachbarn neidisch. Sie versuchten in alten Zeiten immer wieder, die Grenzmarkierungen zu ändern und den Biedenkopfern ein Stück Wald zu nehmen.

So kam es, das alle sieben Jahre zeitweise auch öfter die gesamte Einwohnerschaft, Verwaltungsbeamte und Richter zusammen die Grenze abliefen und dazu luden sie die Schultheißen und Räte der Nachbargemeinden ein, um strittige Grenzfragen an Ort und Stelle zu klären.

Aus dieser zweckbedingten Grenzbegehung wurde ab 1839 ein großes Volksfest, das durch seine Eigentümlichkeiten und die bis heute erhalten gebliebene Urwüchsigkeit alle begeistert. Träger des Festes sind die Männergesellschaften und Burschenschaften, die sich schon einige Monate vor dem Fest zusammenschließen, ihre Führer wählen und nach einem alten, fein ausgeklügelten Reglement die Vorbereitungen zusammen mit dem Grenzgangskomitee treffen.

Die interessantesten Gestalten des Grenzgangs sind der Mohr und die beiden Wettläufer. Der furchterregend angemalte Mohr und die peitschenknallenden Wettläufer hatten früher die Aufgabe, die Bewohner der Nachbargemeinden zu schrecken und sie davon abzuhalten, Grenzsteine zu versetzen. In ihren bunten Uniformen geben diese Figuren heute dem Fest ein besonderes Gepräge.

Am frühen Morgen wird der Festzug auf dem Marktplatz aufgestellt. Die Männergesellschaften und Burschenschaften werden von Musikkapellen auf den Marktplatz geführt wo die Führer die angetretene Stärke an Ihre Hauptmänner melden. Diese wiederum melden die Gesamtstärke aller Bürger und Burschen an Ihren Oberst. Dies geht alles streng militärisch von statten. Alles ist genau geregelt, wer wo steht und in welcher Reihenfolge der Zug marschiert.

Der Mohr führt tanzend mit seinem langen Säbel den Zug an, die Wettläufer sind pausenlos im Zug unterwegs um mit lautem Peitschenknallen Bürger daran zu hindern Abkürzungen zu nehmen. Alles, was laufen kann, geht an den drei Tagen morgens über die Grenze, wobei in heutiger Zeit auch Busse die Frühstücksplätze anfahren.

Auf einem idyllisch gelegenen Waldplatz wird an den drei Tagen Rast gemacht. Einem mittelalterlichen Heerlager gleicht so ein “Frühstücksplatz”. Die Männergesellschaften und Burschenschaften finden sich um ihre Fahnen zusammen, und nehmen Gäste und Bürger anderer Gesellschaften unter ihre Fahne um sich anschließend mit Freibier für die erhaltene Spende zu bedanken.

Tausende Bürger und Gäste verschmelzen zu einer großen fröhlichen Gemeinschaft. Jeder Streit muß an den Grenzgangstagen begraben werden, das will ein uraltes, ungeschriebenes Gesetz.

Für Stimmung und Frohsinn sorgen neben den zahlreichen Musikkapellen auch der Mohr und die Wettläufer. Sie führen die Gäste und die aus aller Welt gekommenen ehemaligen Biedenkopfer zum Grenzstein, um sie zu ” huppchen”. Das heißt: Sie werden von de Wettläufern dreimal auf den Grenzstein gesetzt, wobei der Mohr die Worte spricht:

“Der Stein - die Grenze - in Ewigkeit”.

Nach der Frühstücksrast geht der Zug weiter über Stock und Stein des Grenzweges zurück in die Stadt um Nachmittags zum Festplatz zu marschieren wo das fröhliche Treiben bei Tanz und Unterhaltung fortgesetzt wird.

Drei Tage vormittags ist die eigentliche Grenzbegehung, aber die Vorbereitungen und die Nachfeiern verschiedener Art ziehen sich vom April bis in den Spätherbst. In einem Grenzgangsjahr packt die Biedenkopfer das Fieber zum Fröhlichsein und zur Geselligkeit und in einem solchen Jahr ist die gesamte Bürgerschaft eine große Gemeinschaft.